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RATGEBER · KOSTEN

Modemarke gründen: welche Kosten anfallen und wann

Stand: September 2026

Kurz gesagt

Eine Modemarke gründen kostet an neun Stellen Geld: Entwurf und Tech-Pack, Sample, erste Produktion, Labels und Hangtags, Lager und Versand, Shop und Zahlungsabwicklung, Fotos, Marke und Recht, dazu das, was jeden Monat weiterläuft. Der größte Posten ist fast immer die erste Produktion, weil dort rund 100 Teile je Schnitt und je Farbe bezahlt sind, bevor eines verkauft ist. Wer stattdessen auf Rohlingen startet, verschiebt genau diesen Posten: Gedruckt wird nach Bestellung, ab einem Stück. Beträge stehen hier keine, denn sie hängen an Stoff, Menge, Verfahren und deinen eigenen Stunden. Was hier steht, ist die Liste der Posten und die Reihenfolge, in der sie fällig werden.

Modemarke gründen: die Kosten im Überblick

Bevor es um Zahlen geht, lohnt sich die Frage, welche Posten es überhaupt gibt. Vergessen wird selten die Produktion, vergessen werden die Posten davor und danach.

PostenWann fälligWovon die Höhe abhängt
Entwurf und Tech-Packganz am Anfangob du selbst zeichnest oder jemanden beauftragst, Zahl der Schnitte
Samplevor der ProduktionZahl der Schnitte, Zahl der Korrekturrunden
Erste Produktionvor dem ersten VerkaufMenge, Stoff, Grammatur, Zahl der Farben, Verfahren
Labels und Hangtagsmit der ProduktionMaterial, Druckart, Mindestmenge der Etikettenfertigung
Lager und Versandab WareneingangPlatz, Kartonagen, Porto, wer packt
Shop und Zahlungsabwicklungvor dem VerkaufsstartMonatsgebühr des Systems, Gebühr je Zahlung
Fotoszwischen Lieferung und VerkaufsstartZahl der Teile, Studio oder selbst, Models
Marke und Rechtvor dem VerkaufsstartUmfang der Anmeldung, ob du dich beraten lässt
Laufendesjeden MonatShop, Buchhaltung, Rücksendungen, Werbung

Die Spalte rechts ist die wichtigere. Jeder dieser Posten ist keine Zahl, sondern eine Entscheidung, die du selbst triffst.

Vor der ersten Produktion: Entwurf, Tech-Pack, Sample

Am Anfang steht die Zeichnung, und danach das Dokument, das aus der Zeichnung eine Anweisung macht. Ein Tech-Pack enthält Maße für jede Größe, Stoff mit Faser und Grammatur, Nahtarten, Position und Material des Labels, Motiv mit Größe und Verfahren. Wer das selbst kann, zahlt hier mit Zeit; wer es nicht kann, beauftragt Schnitt und Tech-Pack – ein Posten, der je Schnitt anfällt, nicht je Kollektion. Was dabei alles entschieden wird, steht im Glossar unter Kollektionsentwicklung.

Danach kommt das Sample, also das erste fertige Teil nach deinem Entwurf. Es wird berechnet, und es wird pro Schnitt berechnet. Bei der eigenen Kollektion dauert es rund sechs Wochen nach Freigabe des Entwurfs. Gefällt dir etwas nicht, folgt eine zweite Runde – und genau hier entscheidet sich, ob dieser Posten klein bleibt. Jede Korrekturrunde kostet ein weiteres Teil und weitere Wochen. Ein vollständiges Tech-Pack ist deshalb kein Papierkram, sondern der billigste Weg, Runden zu sparen.

Auf dem Rohling-Weg heißt Sample etwas anderes: die leeren Teile zum Anfassen, bezahlt und ohne Motiv. Sie liegen nach etwa fünf Werktagen bei dir; ein Muster mit deinem Motiv kommt fünf Werktage später. Auch das ist ein Posten, aber ein deutlich kleinerer, weil kein Schnitt dafür entwickelt wird.

Die erste Produktion: der Posten, der alle anderen überragt

Für eine eigene Kollektion brauchst du in der Regel rund 100 Stück je Schnitt und je Farbe. Der Grund steht nicht in der Preisliste, sondern in der Maschine: Für jede Farbe werden eigene Stoffbahnen gefertigt, und eine halbe Bahn gibt es nicht. Wie die Grenze zustande kommt, steht unter Mindestbestellmenge.

Rechnerisch heißt das: Ein Hoodie in zwei Farben ist nicht ein Posten, sondern zwei. Vier Produkte in je zwei Farben sind acht. Beim Entwerfen kostet die zweite Farbe nichts, in der Produktion kostet sie eine ganze Serie.

Das Entscheidende an diesem Posten ist nicht seine Höhe, sondern sein Zeitpunkt. Die Ware ist bezahlt, bevor ein Teil verkauft ist. Das Geld liegt danach nicht mehr auf dem Konto, sondern in Kartons, sortiert nach Größen und Farben, und es wird erst wieder Geld, wenn jemand bestellt. Teuer ist daran nicht ein möglicher Verlust, sondern die Bindung: Was im Regal liegt, steckt nicht in der nächsten Idee, nicht in Werbung und nicht in einer zweiten Runde.

Deshalb ist die erste Menge die wichtigste Entscheidung beim Gründen. Wer sie aus Verkaufszahlen ableitet, legt sie kleiner und genauer an als jemand, der schätzt. Und wer noch keine Verkaufszahlen hat, sollte sie sich zuerst besorgen.

Labels, Hangtags und Verpackung

Dein Webetikett im Nacken und der Hangtag sind der Punkt, an dem aus einem Kleidungsstück dein Produkt wird. Beides wird separat gefertigt und hat eine eigene Mindestmenge, die mit deiner Kleidungsmenge nichts zu tun hat – oft liegt sie höher. Das ist kein Nachteil: Etiketten liegen klein, altern nicht und lassen sich für die nächste Runde weiterverwenden, solange dein Logo bleibt.

Auf dem Rohling lassen sich deine Labels einnähen, gegen Aufpreis; du lieferst sie selbst. Genau das meint Private Label. Dazu kommt, woran fast alle zu spät denken: Versandbeutel oder Seidenpapier, Karton, Aufkleber, Beilage. Pro Teil ist das wenig, über eine ganze Serie ist es ein Posten mit eigener Zeile.

Nach der Lieferung: Lager, Versand, Shop, Zahlungen

Die Serie kommt auf einmal an. Sie braucht Platz, Regale und jemanden, der Pakete packt – das erste Lager einer Modemarke ist meistens ein Zimmer, und das rechnet sich, solange die Zeit dafür da ist. Was ab dem ersten Karton läuft: Porto, Verpackung, Rücksendungen und die Stunden, die das Packen frisst. Wer diese Stunden nicht hat, gibt Lager und Versand ab und zahlt dafür je Sendung.

Der Shop kostet an zwei Stellen. Das System kostet monatlich, unabhängig davon, ob du verkaufst. Die Zahlungsabwicklung kostet je Bestellung, also nur, wenn du verkaufst. Dazu kommen Domain und Mail. Für den Anfang reicht ein einfaches System, weil die Monatsgebühr auch in den Monaten läuft, in denen niemand kauft.

Fotos werden von allen Posten am häufigsten unterschätzt. Jedes Produkt in jeder Farbe braucht Bilder, und ohne Bilder verkauft im Netz nichts. Ob Studio, Fotograf:in oder Tageslicht und eine weiße Wand, ist deine Entscheidung; dass es Bilder braucht, ist keine.

Marke und Recht: als Posten, nicht als Rat

Zwei Posten gehören auf die Liste, und zu beiden geben wir keinen Rat, sondern nur den Hinweis, dass sie Geld kosten. Erstens die Anmeldung deiner Marke: Sie kostet Gebühren, die von Umfang und Gebiet abhängen. Zweitens die Pflichten deines Shops: Impressum, Widerruf, Datenschutz, dazu die Kennzeichnung von Textilien mit Faserzusammensetzung und Pflegehinweis.

Ob du dafür jemanden bezahlst oder es selbst erarbeitest, ist eine Kostenfrage. Was davon nötig und richtig ist, beantwortet jemand, der Rechtsrat geben darf.

Laufende Kosten: was jeden Monat bleibt

Nach dem Start bleibt eine Grundlast: Shop, Domain, Buchhaltung, Versicherungen, Rücksendungen, dazu Werbung, wenn du welche schaltest. Diese Posten sind einzeln klein und in Summe der Grund, warum eine Marke Umsatz braucht und nicht nur Verkäufe.

Dazu kommt der Posten, den keine Kalkulation zeigt: deine eigene Zeit. Entwurf, Abstimmung, Fotos, Shop, Packen, Antworten – das sind Stunden, die du entweder selbst leistest oder bezahlst. Wer sie nicht einrechnet, hält eine Marke für rentabler, als sie ist.

Wie der Start auf Rohlingen das Risiko senkt

Der Unterschied zwischen den beiden Wegen ist kein Rabatt, sondern ein anderer Zeitpunkt der Zahlung. Auf dem Rohling entfallen Schnitt, Tech-Pack und Stoffbahn, weil das Teil schon existiert. Du zahlst das Teil, das Verfahren und die Arbeit am Motiv – und zwar erst, wenn bestellt wurde. Gedruckt und gestickt wird ab einem Stück, fertig in fünf bis zehn Werktagen, veredelt in Deutschland. Siebdruck beginnt bei 20 Stück je Motiv, weil je Farbe ein Sieb angefertigt wird.

Bezahlt wird das mit dem Stückpreis: Er liegt auf diesem Weg höher als in einer eigenen Serie. Die Frage beim Gründen ist deshalb nicht, welcher Weg billiger ist, sondern ob du pro Stück mehr zahlst und dafür nichts vorlegst, oder vorlegst und pro Stück weniger zahlst. Am Anfang, wenn niemand weiß, welches Motiv zieht und welche Größen gefragt sind, ist das Erste meistens die ruhigere Rechnung.

Dazu kommt, was die erste Runde dir liefert: Zahlen. Nach ein paar hundert verkauften Teilen weißt du, welches Design gezogen hat, ob deine Leute eher L oder XL bestellen und ob die zweite Farbe jemand wollte. Genau diese Angaben fehlen dir sonst, wenn du die erste eigene Serie planst.

O-Ton folgt.

Die Reihenfolge der Ausgaben

Die Posten fallen nicht gleichzeitig an, und das ist der Hebel. Wer die Reihenfolge einhält, gibt spätes Geld erst aus, wenn frühe Fragen beantwortet sind.

  1. Name, Marke, Shop-Grundgerüst. Klein halten. Hier entsteht noch kein Umsatz, hier entstehen nur Kosten.
  2. Eine kleine Runde auf Rohlingen. Nimm zwei Motive, wenige Größen und dein Label im Nacken. Danach zählst du, was verkauft wurde.
  3. Fotos und der erste echte Verkaufsstart. Erst jetzt lohnt sich ein Shooting, weil du weißt, welche Teile es gibt.
  4. Entwurf und Tech-Pack für den eigenen Schnitt. Dafür brauchst du die Zahlen aus Schritt 2, keine Vermutung.
  5. Sample und Freigabe. Zähl die Runden mit, denn jede kostet Geld und Wochen.
  6. Erste eigene Serie. Halt sie so klein wie möglich, am besten ein Schnitt in einer Farbe.
  7. Lager und Versand ausbauen. Erst wenn das Packen deine Zeit auffrisst, lohnt es sich, es abzugeben.

Wer bei Schritt 6 anfängt, kann Glück haben. Wer bei Schritt 2 anfängt, braucht keines. Den Ablauf der eigenen Serie im Einzelnen beschreibt der Ratgeber Eigene Kollektion erstellen.

Was wir dazu machen

Bei uns laufen beide Wege über dieselbe Ansprechperson: dein Label auf Rohlingen, veredelt in Deutschland ab Stückzahl 1, oder die eigene Kollektion, genäht und veredelt in Portugal, in der Regel ab rund 100 Stück je Schnitt und Farbe. Dazu Lager, Shop und Versand, wenn du das abgeben willst. Wie der Weg vom ersten Drop zur eigenen Kollektion aussieht, steht unter Modemarke gründen, der ganze Bereich unter Textilhersteller für dein eigenes Label. Nenn uns in deiner Anfrage Idee, Menge und Wunschtermin, dann sagen wir dir, welcher Weg gerade passt – auch dann, wenn es der kleinere ist.

Häufige Fragen

Was kostet es, eine Modemarke zu gründen?

Das hängt an deiner ersten Menge. Neun Posten fallen an: Entwurf und Tech-Pack, Sample, Produktion, Labels und Hangtags, Lager und Versand, Shop und Zahlungen, Fotos, Marke und Recht, laufende Kosten. Die Produktion ist der größte davon und der einzige, den du über die Menge steuerst.

Kann ich eine Modemarke ohne Startkapital aufbauen?

Ohne gar nichts nicht, mit wenig schon. Auf Rohlingen entsteht jedes Teil erst mit der Bestellung, du legst also keine Serie vor. Was bleibt, sind Shop, Etiketten, Fotos und deine Zeit.

Was ist der teuerste Fehler beim Gründen?

Eine zu große erste Serie. Ware, die liegen bleibt, ist doppelt bezahlt: einmal in der Produktion, einmal im Lager. Und sie blockiert das Geld für die nächste Idee.

Wie viele Teile brauche ich für eine eigene Kollektion?

In der Regel rund 100 Stück je Schnitt und je Farbe, weil für jede Farbe eigene Stoffbahnen laufen. Zwei Farben desselben Hoodies sind damit zwei Serien, nicht eine.

Wann lohnt sich der Wechsel vom Rohling zum eigenen Schnitt?

Wenn die Nachfrage durch Verkäufe belegt ist, wenn Passform und Stoff dein Produkt sind und wenn du rund vier Monate Vorlauf vom Entwurf bis zur Lieferung einplanen kannst.