RATGEBER · GUIDE
Eigene Kollektion erstellen: von der Idee zur ersten Serie
Stand: September 2026
Kurz gesagt
Eine eigene Kollektion erstellen heißt: wenige Teile, wenige Farben, ein Entwurf mit Maßen, danach Sample, Freigabe und Serie. Für eigenen Schnitt und eigenen Stoff brauchst du in der Regel rund 100 Stück je Schnitt und je Farbe, weil für jede Farbe eigene Stoffbahnen produziert werden. Vom freigegebenen Entwurf bis zur Lieferung vergehen realistisch rund vier Monate: rund sechs Wochen bis zum Sample, rund acht Wochen Produktion, dazwischen Abstimmung, Korrektur und Versand. Wer diese Menge noch nicht zusammenbekommt, startet mit dem eigenen Label in einem Rohling, und das geht ab einem Stück.
Eigene Kollektion erstellen: Schritt 1 sind Zielgruppe und Teileplan
Bevor du eine eigene Kollektion erstellen lässt, steht eine Entscheidung an, die nichts mit Stoff zu tun hat: Für wen ist die Kleidung? Die Antwort ist kein Altersbereich, sondern ein Bild von Menschen, die das Teil wirklich anziehen – im Proberaum, im Büro, auf der Straße. Daran hängt alles Weitere: Schnitt, Grammatur, Farbe, sogar die Größen, die du produzieren lässt.
Aus diesem Bild wird der Teileplan. Er beantwortet drei Fragen: welche Produkte, welche Farben, welche Größen. Eine erste Modekollektion mit zwölf Teilen sieht auf dem Moodboard gut aus und ist in der Produktion selten eine gute Idee. Zwei bis drei Teile reichen – ein T-Shirt, ein Hoodie, vielleicht ein Longsleeve.
Der Grund steht in der Rechnung. Für jede Farbe werden eigene Stoffbahnen produziert, und die begrenzen die Menge nach unten: rund 100 Stück je Schnitt und je Farbe. Zwei Schnitte in drei Farben sind also nicht 100 Teile, sondern rund 600. Jede zusätzliche Farbe multipliziert die Menge. Wer das einmal durchrechnet, streicht die dritte Farbe von selbst.
Bei den Größen gilt dasselbe in klein: Jede Größe, die du mitnimmst, verteilt die Menge weiter. Eine erste Serie fährt gut mit vier oder fünf Größen, die den Großteil deiner Leute abdecken. Was sich verkauft, weißt du nach der ersten Runde genauer als vorher.
Wenn die Menge noch nicht passt: dein Label in einem Rohling
Rund 100 Stück je Schnitt und Farbe sind für viele Gründer:innen der Punkt, an dem die Idee erst einmal liegenbleibt. Das muss sie nicht. Der kürzere Weg führt über fertige Kleidung aus dem Katalog: ein Rohling, veredelt mit deinem Design, mit deinem Label im Nacken oder am Hangtag. Die Labels lieferst du, wir lassen sie einnähen, gegen Aufpreis. Veredelt wird auf diesem Weg in Deutschland, ab einem Stück, fertig in fünf bis zehn Werktagen.
Was du dabei aufgibst, ist der Schnitt: Er bleibt der des Katalogs, ändern lässt sich nur, was darauf kommt. Was du gewinnst, ist ein echter Test. Du siehst an echten Bestellungen, welche Teile laufen, welche Farben gefragt sind und welche Größen liegenbleiben – und gehst mit diesen Zahlen in die erste eigene Serie, statt sie zu schätzen. Mehr zu den Mengen auf beiden Wegen steht im Ratgeber zur Mindestbestellmenge.
Schritt 2: Entwurf und Tech-Pack
Der Entwurf ist der Moment, in dem aus einer Idee eine Anweisung wird. Er besteht aus einer Skizze und aus Maßen: Länge, Brustweite, Schulterbreite, Ärmellänge, Bündchenhöhe, und das für jede Größe. Dazu kommt, was der Betrieb sonst noch wissen muss – Stoffwunsch mit Grammatur, Farbe, Nahtart, Position und Material des Nackenlabels, ob ein Hangtag dranhängt und wo.
Diese Sammlung heißt Tech-Pack. Am Anfang reicht eine saubere Skizze mit Maßen; je genauer sie ist, desto näher liegt das erste Sample an dem, was du im Kopf hast. Jede Angabe, die fehlt, entscheidet am Ende jemand anders.
Ins Tech-Pack gehört auch das Motiv. Logo oder Print, Position, Größe in Zentimetern und das Verfahren – Stick, Siebdruck, DTF oder DTG – werden mit dem Schnitt zusammen festgelegt, nicht danach. Für Druck und Stick brauchst du eine Vektordatei oder ein sauberes PDF; für Druckmotive reicht auch eine hochaufgelöste Pixeldatei mit 300 dpi in Endgröße, freigestellt. Für den Stick wird aus deiner Vorlage eine Stickdatei gepuncht, und dabei zeigt sich, ob Schrift in dieser Größe lesbar bleibt.
Schritt 3: Stoffwahl
Bei eigener Produktion ist der Stoff frei, und das ist der größte Unterschied zum Rohling. Für T-Shirts und Longsleeves kommt Single Jersey zwischen 150 und 240 g/m² infrage, für Hoodies und Sweater French Terry zwischen 280 und 400 g/m², für Polos Piqué, für Bündchen und Kragen Rib. Dazwischen und darüber geht mehr, als diese Beispiele zeigen.
Wie ein Teil fällt, entscheidet die Grammatur mehr als der Schnitt: Ein leichtes Jersey fällt weich und knittert schneller, ein schweres steht mehr und hält die Form länger. Welche Zahl zu deinem Entwurf passt, merkst du am fertigen Teil, nicht am Datenblatt – deshalb steht das Sample vor der Serie.
Farbe ist der zweite Teil der Stoffwahl. Sonderfarben nach Pantone sind möglich, und auf Textil weicht jede Farbe etwas ab, je nach Faser unterschiedlich stark. Wenn deine Marke eine feste Hausfarbe hat, sag das früh, damit sie am Sample geprüft werden kann. Wenn dir zertifizierte Materialien wichtig sind: Unsere Partnerbetriebe arbeiten mit GOTS- und OEKO-TEX-zertifizierten Stoffen.
Schritt 4 und 5: Sample, Freigabe, Korrektur
Nach der Freigabe des Entwurfs dauert das Sample rund sechs Wochen. Es ist das erste fertige Teil aus deinem Schnitt, in deinem Stoff, mit deinem Label und mit der Veredelung darauf – kein Anschauungsstück, sondern der Stand, der in Serie geht, wenn du ihn freigibst.
Prüf es entsprechend. Zieh es an, zieh es jemand anderem an, wasch es bei 30 °C und schau es dir danach noch einmal an. Sitzt die Schulter, ist der Ärmel lang genug, liegt das Nackenlabel richtig, steht die Farbe so, wie du sie erwartet hast. Was dir nicht gefällt, wird jetzt geändert, nicht später.
Nach der Korrektur folgt entweder eine zweite Runde oder die Freigabe. Eine zweite Runde ist kein Rückschlag, sie kostet nur wieder Zeit, und diese Zeit gehört in deinen Terminplan. Ab der Freigabe läuft die Produktion nach dem freigegebenen Stand, und Änderungen sind dann keine mehr.
Schritt 6 und 7: Produktion, Lieferung, Lager, Versand
Nach der Freigabe des Samples dauert die Produktion rund acht Wochen. Genäht und veredelt wird im selben Betrieb im Raum Porto; dein Teil wandert also nicht zwischen zwei Ländern hin und her. Webetiketten, Größenlabel und Hangtags gehören zur Fertigung, nicht zu einem Arbeitsschritt danach – die Kollektion verlässt den Betrieb verkaufsfertig.
Dann kommt der Teil, den viele beim Planen vergessen: Die Ware muss irgendwo hin. Ein paar hundert Teile, sortiert nach Größen und Farben, brauchen Platz und jemanden, der Pakete packt. Entweder du machst das selbst, oder Lager und Versand laufen über einen Dienstleister – bei uns über das Hauptlager im Hamburger Umland, angebunden an deinen bestehenden Shop oder an einen, den wir dir stellen.
Plan die Lieferung nicht auf den Tag des Verkaufsstarts. Zwischen Ankunft und erstem Verkauf liegen Wareneingang, Fotos, Produktseiten und ein Rest, der immer dazwischenkommt.
Die Rückwärtsrechnung: rund vier Monate
Wer zu einem Datum liefern will – Tour, Messe, Saisonstart –, rechnet von hinten. Die Reihenfolge lässt sich nicht umstellen, weil jeder Schritt den vorigen voraussetzt; das ist der Kern jeder Kollektionsentwicklung.
- Vier Monate vorher: Teileplan steht, Entwurf und Tech-Pack sind fertig und freigegeben.
- Rund sechs Wochen später: Das Sample liegt bei dir.
- Ein bis zwei Wochen darauf: Anprobe, Wäsche, Korrekturwünsche, Freigabe. Eine zweite Sample-Runde verlängert diese Zeile.
- Rund acht Wochen danach: Die Serie ist genäht, veredelt und etikettiert.
- Zum Schluss: Versand aus Portugal, Wareneingang, Einlagerung, Fotos, Shop.
Diese vier Monate sind kein Puffer, sondern die Zeit, die die Schritte brauchen. Für eigene Schnitte gibt es kein Express-Angebot wie beim Rohling. Wer im Oktober verkaufen will, fängt im Juni an.
Drei Fehler, die am meisten Zeit kosten
Zu viele Farben. Das ist der häufigste Fehler im Teileplan und der, der am meisten Menge bindet. Jede Farbe je Schnitt braucht eigene Stoffbahnen und damit ihre eigene Menge. Zwei Farben, die gut zu deinen Designs passen, bringen dich weiter als fünf, von denen drei im Lager bleiben.
Kein Zeitpuffer. Der Terminplan wird gern mit einer einzigen Sample-Runde gerechnet und ohne die Tage dazwischen. Abstimmung, Rückfragen, Versand und der Wareneingang stehen in keiner Tabelle und dauern trotzdem. Plan eine zweite Sample-Runde ein, auch wenn du sie nicht brauchst.
Motiv erst nach dem Sample. Wer den Schnitt freigibt und erst danach über Print oder Stick nachdenkt, stellt oft fest, dass Position, Größe oder Verfahren am fertigen Teil anders wirken als geplant. Motiv und Schnitt gehören ins selbe Tech-Pack, und dann steht beides am selben Sample zur Prüfung.
O-Ton folgt.
Was wir dazu machen
Bei .stumpf laufen beide Wege über denselben Ansprechpartner: dein Label in einem veredelten Rohling ab Stückzahl 1 oder die eigene Kollektion mit eigenem Schnitt und Stoff, genäht und veredelt im Raum Porto, in der Regel ab rund 100 Stück je Schnitt und Farbe. Wer Kleidung im eigenen Schnitt fertigen lassen will, findet den Ablauf mit Stoffauswahl, Etiketten, Sample, Lager und Versand unter Textilhersteller für dein eigenes Label. Wenn du deinen Teileplan im Kopf hast und wissen willst, ob die Mengen aufgehen, schick eine Anfrage mit Produkt, Farben und Wunschtermin, und wir rechnen es gemeinsam durch.
Häufige Fragen
- Wie viele Teile brauche ich für eine eigene Kollektion?
- In der Regel rund 100 Stück je Schnitt und je Farbe, weil für jede Farbe eigene Stoffbahnen produziert werden. Zwei Schnitte in drei Farben ergeben also rund 600 Teile.
- Wie lange dauert es von der Idee bis zur fertigen Kollektion?
- Rund sechs Wochen bis zum Sample und rund acht Wochen Produktion danach. Mit Abstimmung, Korrektur und Versand dazwischen sind es realistisch rund vier Monate ab dem freigegebenen Entwurf.
- Was gehört in ein Tech-Pack?
- Skizze, Maße für jede Größe, Stoff mit Grammatur, Farbe, Position und Material des Labels, Hangtag sowie das Motiv mit Position, Größe und Verfahren.
- Kann ich eine eigene Kollektion mit nur 20 Teilen starten?
- Mit eigenem Schnitt und eigenem Stoff nicht, dafür reicht die Menge für die Stoffbahnen nicht. Möglich ist ein Rohling mit deinem Design und deinem Label, ab einem Stück.
- Welche Stoffe kann ich für meine Kollektion wählen?
- Single Jersey zwischen 150 und 240 g/m² für T-Shirts und Longsleeves, French Terry zwischen 280 und 400 g/m² für Hoodies und Sweater, dazu Piqué für Polos und Rib für Bündchen.