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RATGEBER · KOSTEN

Merch-Kalkulation für Bands: was in die Rechnung gehört

Stand: September 2026

Kurz gesagt

Eine Merch-Kalkulation ist keine Preisliste, sondern eine Rechnung mit sechs Posten: Rohling, Veredelung, Labels, Versand, Lager und der Platz, an dem verkauft wird. Dazu kommt die Menge, weil sie über das Verfahren entscheidet: Ab einem Stück geht DTG oder DTF, ab 20 Stück je Motiv kommt Siebdruck dazu und senkt den Anteil pro Teil. Gerechnet wird am Ende nicht mit der produzierten Menge, sondern mit der verkauften. Was nach der Tour im Karton liegen bleibt, hat dich dasselbe gekostet wie das Shirt, das über den Tisch gegangen ist.

Was in eine Merch-Kalkulation gehört

Die meisten Rechnungen scheitern nicht am Druck, sondern an dem, was daneben steht. Sechs Posten tauchen bei jeder Band auf, egal ob zwei Shirts oder zwei Kartons.

PostenWas dahintersteckt
RohlingDas leere Teil aus dem Katalog: T-Shirt, Longsleeve, Hoodie, Beutel. Stoff, Grammatur und Schnitt bestimmen den Anteil; Bio-Baumwolle ist bei den meisten Teilen eine Option.
VeredelungDein Motiv auf dem Teil, per DTG, DTF, Stick oder Siebdruck. Bei Siebdruck und Stick zählt die Anzahl der Farben mit, weil jede Farbe ein eigenes Sieb oder ein eigenes Garn braucht.
LabelsNackenlabel und Hangtag mit eurem Namen. Die Labels kommen von euch, eingenäht wird gegen Aufpreis.
VersandVom Betrieb zu euch, von euch zum Publikum oder aus dem Lager direkt an die Bestellung. Jede Strecke kostet, auch die, die niemand plant.
LagerAlles, was nicht am selben Abend weggeht, liegt irgendwo: im Proberaum, im Bus oder in unserem Hauptlager im Hamburger Umland.
VerkaufsplatzMerch-Stand, eigener Shop, Sammelshop. Ob und welchen Anteil ein Haus vom Merch-Umsatz einbehält, klärst du vor der Tour und nicht am Abend.

Rohling, Veredelung, Labels und Versand hängen an der Stückzahl. Lager und Verkaufsplatz laufen weiter, auch wenn an einem Abend nichts verkauft wird.

Dazu kommen Posten, die genau einmal anfallen: die Grafik, ein Sample zum Anfassen, die Einrichtung beim Siebdruck, die Einrichtung eines Shops. Diese Beträge verteilen sich auf alle Teile der Auflage – je mehr verkauft werden, desto weniger trägt ein einzelnes Teil davon.

Menge und Größen drehen die Rechnung

Die Menge ist in der Merch-Kalkulation kein Nebenwert, sondern der Hebel. Auf dem Rohling geht dein Motiv ab einem Stück, per DTG, DTF oder Stick – ohne Mindestmenge, ohne Einrichtung, fertig in fünf bis zehn Werktagen. Ab 20 Stück je Motiv kommt Siebdruck dazu. Der Druck wird pro Teil günstiger, dafür steht vorne die Einrichtung je Farbe.

Daraus folgt ein einfacher Test: Rechne dieselbe Auflage einmal mit dem Verfahren ab einem Stück und einmal mit Siebdruck, samt Einrichtung. Die Menge, bei der beide Rechnungen gleich ausgehen, ist deine Schwelle. Liegt deine geplante Auflage darunter, bleib beim Druck ab einem Stück. Liegt sie deutlich darüber und bleibt das Motiv gleich, lohnt der Siebdruck.

Zwei Punkte fehlen in fast jeder ersten Rechnung. Der erste ist die Zahl der Motive: Zwei Motive auf je 20 Shirts sind für den Siebdruck zwei Auflagen mit zwei Einrichtungen, nicht eine mit 40 Teilen. Der zweite ist die Verteilung der Größen. Ein Merch-Stand verkauft nicht gleichmäßig über alle Größen; die mittleren gehen zuerst, die Ränder bleiben liegen. Wer von jeder Größe gleich viel bestellt, hat am Ende eine volle Kiste in den Rändern und eine leere Mitte. Sieh nach, welche Größen bei der letzten Tour zuerst weg waren, und bestell danach.

O-Ton folgt.

Vorverkauf oder Vorproduktion

Es gibt zwei Arten, an Merch heranzugehen, und sie unterscheiden sich vor allem darin, wann du zahlst.

Beim Vorverkauf kündigst du das Teil an, sammelst Bestellungen und produzierst danach. Du weißt vorher, wie viele Teile in welcher Größe gebraucht werden, du bindest kein Geld und du hast am Ende keinen Rest. Dafür vergeht zwischen Bestellung und Lieferung Zeit: auf dem Rohling fünf bis zehn Werktage, plus Versand. Für ein Album-Release, eine Ankündigung oder eine Crowd-Aktion passt das gut.

Bei der Vorproduktion liegt die Ware vor der Tour im Bus. Das ist der einzige Weg, am Abend nach dem Konzert zu verkaufen, und dieser Abend ist für viele Bands der wichtigste Verkaufsmoment. Dafür entscheidest du vorher über Menge und Größen, ohne zu wissen, was gebraucht wird, und das Geld steckt in Kartons.

In der Rechnung sieht das so aus: Der Vorverkauf verschiebt das Risiko auf die Zeit, die Vorproduktion auf das Kapital. Die meisten Bands fahren eine Mischung – eine überschaubare Auflage für den Stand, den Rest auf Bestellung über den Shop. Was am Stand ausgeht, lässt sich nachlegen, solange das Motiv dasselbe bleibt und die Datei vorliegt.

Was liegen bleibt, kostet am meisten

Ein unverkauftes Shirt ist der teuerste Posten der ganzen Kalkulation. Es hat Rohling, Veredelung und Versand verursacht wie jedes andere Teil, und es bringt nichts zurück. Dazu belegt es Platz, wird mehrfach transportiert und taucht bei der nächsten Tour wieder auf, in einer Größe, die schon beim letzten Mal übrig war.

Deshalb lohnt es sich, die Auflage eher zu klein als zu groß anzusetzen. Zweimal 20 Shirts nacheinander kosten pro Teil etwas mehr als einmal 40, aber sie kosten weniger als 40 Shirts, von denen 15 übrig bleiben. Nachlegen dauert auf dem Rohling fünf bis zehn Werktage; eine ausverkaufte Größe am dritten Tourabend ist ärgerlich, ein voller Karton nach der letzten Show ist teurer.

Wenn du eine Auflage nicht über den Merch-Stand loswirst, brauchst du einen zweiten Kanal, bevor du produzierst. Ein Shop mit Lager und Versand dahinter verkauft weiter, wenn die Tour längst vorbei ist. Ohne diesen Kanal ist die letzte Show der letzte Verkaufstag, und alles, was dann noch da ist, bleibt da.

Der Rechenweg, ohne eine einzige Zahl

Die Struktur ist immer dieselbe, die Zahlen setzt du ein:

  1. Stückkosten bilden: Rohling + Veredelung + Label + Versandanteil = was ein einzelnes fertiges Teil kostet.
  2. Auf die Auflage hochrechnen: Stückkosten × produzierte Menge.
  3. Fixposten addieren: Grafik, Sample, Einrichtung je Farbe beim Siebdruck, Shop, Lager, Standgebühren.
  4. Durch die verkauften Teile teilen: Summe ÷ verkaufte Teile = was dich ein verkauftes Teil wirklich kostet.
  5. Verkaufspreis dagegenhalten: Der Abstand zwischen beiden Werten ist das, was am Ende der Tour übrig bleibt.

Der vierte Schritt ist der, den die meisten überspringen. Teilst du durch die produzierte Menge, sieht jede Auflage gut aus. Teilst du durch die verkaufte, siehst du, was eine zu große Bestellung anrichtet. Rechne den Schritt zweimal: einmal mit der Menge, die du realistisch verkaufst, und einmal mit deutlich weniger. Hält die Rechnung auch im schlechteren Fall, kannst du bestellen.

Für die Zahlen selbst brauchst du ein Angebot, keinen Erfahrungswert aus dem Netz. Stoff, Verfahren, Farbanzahl, Menge und Termin ergeben zusammen den Preis, und jeder dieser Werte verschiebt ihn.

Was wir dazu machen

Wir produzieren beide Wege und beziffern dir vorab, was deine Auflage kostet: Rohling mit Motiv ab einem Stück, veredelt in Deutschland, Siebdruck ab 20 Stück je Motiv, oder eine eigene Linie ab 100 Stück, genäht und veredelt in Portugal. Lager, Shop und Versand laufen auf Wunsch bei uns weiter, damit nach der Tour noch verkauft wird. Wie das für Bands aussieht, steht unter Merch für Bands und Creator und auf der Seite zu Band-Merch. Schick uns Motiv, Menge und Termin als Anfrage, dann rechnen wir deine Varianten durch.

Häufige Fragen

Wie kalkuliere ich Merch für eine Tour?
Bilde erst die Stückkosten aus Rohling, Veredelung, Label und Versand, addiere die Posten, die nur einmal anfallen, und teile die Summe durch die Teile, die du realistisch verkaufst.
Ab welcher Menge lohnt sich Siebdruck für Band-Merch?
Siebdruck geht ab 20 Stück je Motiv. Ob er sich rechnet, hängt an der Einrichtung je Farbe: Bleibt das Motiv gleich und die Auflage deutlich über der Mindestmenge, sinkt der Anteil pro Teil.
Welche Größen soll ich in welcher Menge bestellen?
Nicht von jeder Größe gleich viel. Die mittleren Größen gehen am Stand zuerst, die Ränder bleiben liegen. Orientiere dich an dem, was bei der letzten Auflage zuerst weg war.
Vorverkauf oder vor der Tour produzieren?
Vorverkauf kostet Zeit, Vorproduktion bindet Geld. Für den Verkauf am Abend brauchst du Ware im Bus, für alles andere reicht die Bestellung mit Lieferung danach.
Was passiert mit Teilen, die nicht verkauft werden?
Sie sind der teuerste Posten der Rechnung, weil sie dieselben Kosten verursacht haben wie verkaufte Teile. Eine kleinere Auflage mit Nachbestellung ist meist günstiger als eine große mit Rest.