GLOSSAR · STOFFE
Merinowolle
Merinowolle ist Schurwolle vom Merinoschaf, einer Rasse mit besonders feiner Wolle. Die Fasern liegen meist zwischen 15 und 24 Mikron; sie geben auf der Haut nach, statt zu pieksen, deshalb kratzt Merinowolle kaum. Sie nimmt viel Feuchtigkeit auf, bevor sie sich nass anfühlt, und nimmt Gerüche langsamer an als Kunstfaser. Verarbeitet wird sie vor allem zu Pullovern, Sweatern und feiner Strickware.
Wie es funktioniert
Entscheidend ist der Faserdurchmesser. Je dünner eine Wollfaser ist, desto eher biegt sie sich weg, wenn sie auf die Haut trifft; gröbere Wolle steht dagegen stabil und wird als Kratzen gespürt. Wie jede Wolle ist auch die Merinofaser gekräuselt. Diese Kräuselung hält Luft zwischen den Fasern, das wärmt, und sie lässt sich dehnen und geht wieder in die Ausgangsform zurück – deshalb beult die Ware nicht so schnell aus.
Wofür es taugt, wofür nicht
Merinowolle passt zu Pullovern, Sweatern und Lagen direkt auf der Haut, auch dann, wenn die Temperatur über den Tag wechselt. Was oft und heiß in die Maschine muss, ist aus Merinowolle falsch aufgehoben: Wolle verfilzt unter Hitze und Reibung und gehört ins Wollprogramm oder in die Handwäsche.
Merinowolle und normale Schurwolle
Schurwolle heißt Wolle, die vom lebenden Schaf geschoren wurde und vorher noch nicht verarbeitet war – unabhängig von der Rasse. Wolle anderer Rassen ist meist gröber und kratzt deshalb eher; sie landet häufiger in Mänteln, Decken und Teppichen. Merinowolle ist fein genug, um direkt auf der Haut getragen zu werden, als dünner Pullover oder als Shirt unter der Jacke.
Relevant für
Wolle verträgt wenig Nadel und wenig Hitze. Beim Sticken braucht feine Merinoware eine dünnere Nadel, weniger Stiche auf der Fläche und ein Vlies darunter, damit sich das Gestrick nicht verzieht; beim Bedrucken ist die Hitze in der Presse der heikle Punkt. Ob ein Motiv auf einem bestimmten Stoff sitzt, zeigt sich vorab am Muster – beim Besticken von Pullovern ebenso wie in der eigenen Kollektion.
Zwei Fragen
Was unterscheidet Merinowolle von normaler Wolle?
Der Faserdurchmesser. Merinowolle ist deutlich feiner als übliche Schurwolle, die Fasern geben auf der Haut nach und kratzen dadurch kaum. Wolle anderer Schafrassen ist gröber und wird eher gespürt.
Kann man Merinowolle besticken lassen?
Sticken auf Merinoware geht, braucht aber Rücksicht: eine dünnere Nadel, weniger Stiche auf der Fläche und ein Vlies darunter, damit sich das Gestrick nicht verzieht.