GLOSSAR · SIEGEL & NACHHALTIGKEIT
Fair Wear Foundation
Die Fair Wear Foundation ist eine unabhängige Organisation, die die Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsnäherei verbessern soll. Sie zertifiziert keine Produkte, sondern nimmt Marken als Mitglieder auf und prüft, wie diese mit ihren Nähereien umgehen. Grundlage ist ein Kodex zu Arbeitsnormen, den jedes Mitglied in seinen Produktionsbetrieben umsetzen muss.
Wie die Prüfung abläuft
Der Kodex umfasst acht Punkte: freiwillige Arbeit, keine Diskriminierung, keine Kinderarbeit, Vereinigungsfreiheit und Recht auf Tarifverhandlungen, ein existenzsichernder Lohn, begrenzte Arbeitszeiten, sichere Arbeitsbedingungen und ein rechtsverbindliches Arbeitsverhältnis. Wer Mitglied wird, legt seine Näherei-Adressen offen und lässt sie über die Jahre prüfen.
Geprüft wird auf zwei Ebenen. In den Betrieben laufen Audits und Schulungen, dazu gibt es eine Beschwerdestelle, an die sich Beschäftigte wenden können. Bei der Marke selbst schaut sich die Organisation einmal im Jahr das Einkaufsverhalten an: Preise, Lieferzeiten, kurzfristige Änderungen – also genau die Punkte, die in der Näherei Überstunden erzeugen. Das Ergebnis erscheint als öffentlicher Bericht mit einer Einstufung der Marke.
Wofür es taugt, wofür nicht
Die Mitgliedschaft taugt als Hinweis darauf, dass eine Marke ihre Näherei kennt und sich bei den Arbeitsbedingungen in die Karten schauen lässt. Sie sagt nichts über das Material: kein Wort zu Bio-Fasern, Schadstoffen oder Färberei-Chemie. Und sie beschreibt einen Prozess, kein Ergebnis je Teil – eine Marke kann Mitglied sein und in einem einzelnen Betrieb trotzdem Probleme haben, die der Bericht dann benennt.
Fair Wear und Produktsiegel
Ein Produktsiegel hängt am Teil oder am Stoff. OEKO-TEX Standard 100 prüft das fertige Textil auf Schadstoffe, GOTS prüft die Faser und die Kette dahinter, jeweils mit sozialen Mindestkriterien in den beteiligten Betrieben. Die Fair Wear Foundation setzt an der Marke an und daran, wie sie einkauft. Deshalb findest du kein Fair-Wear-Zeichen im Nacken eines Shirts, sondern einen Bericht über das Unternehmen, das es verkauft.
Relevant für
Wir sind kein Mitglied der Fair Wear Foundation und behaupten es auch nicht. Unsere Arbeit bleibt in der EU: Rohlinge werden in Deutschland veredelt, die eigene Kollektion wird in Portugal genäht und veredelt, in beiden Fällen unter europäischem Arbeitsrecht. Was wir über die Betriebe sagen können, steht unter Nachhaltigkeit und bei Kleidung produzieren lassen.
Zwei Fragen
Ist die Fair Wear Foundation ein Siegel am Kleidungsstück?
Nein. Mitglied wird die Marke, nicht das Produkt. Statt eines Etiketts gibt es einen jährlichen, öffentlichen Bericht darüber, wie die Marke ihre Nähereien behandelt.
Was prüft die Fair Wear Foundation genau?
Die Arbeitsbedingungen in der Konfektion entlang von acht Arbeitsnormen, dazu das Einkaufsverhalten der Marke. Material, Schadstoffe und Faserherkunft gehören nicht dazu.