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RATGEBER · VERGLEICH

OEKO-TEX vs. GOTS: Was die Siegel wirklich prüfen

Stand: September 2026

Kurz gesagt

OEKO-TEX Standard 100 und GOTS werden oft für dasselbe gehalten, prüfen aber unterschiedliche Dinge. OEKO-TEX testet das fertige Textil auf Schadstoffe, unabhängig davon, aus welcher Faser es besteht. GOTS setzt beim Rohstoff an: ein Mindestanteil Bio-Fasern, dazu ökologische und soziale Kriterien entlang der gesamten Produktionskette. Wenn dir vor allem Schadstofffreiheit im Hautkontakt wichtig ist, achte auf OEKO-TEX Standard 100. Wenn dir Bio-Anbau und faire Produktionsbedingungen wichtig sind, achte auf GOTS. Häufig stehen beide Siegel auf demselben Textil, weil sie sich ergänzen statt zu konkurrieren.

Zwei Siegel, zwei verschiedene Fragen

Wer die beiden Siegel zum ersten Mal nebeneinander sieht, hält sie leicht für dasselbe unter zwei Namen. Sie prüfen aber an verschiedenen Stellen der Kette.

OEKO-TEX Standard 100 beantwortet die Frage: Ist das fertige Textil frei von einem festgelegten Set gesundheitsschädlicher Stoffe? GOTS beantwortet eine andere Frage: Stammt die Faser aus kontrolliert biologischem Anbau, und wurde sie unter ökologischen und sozialen Mindeststandards zu einem Textil verarbeitet? Ein Textil kann eines der beiden Siegel tragen, beide zusammen, oder keines – die Antwort auf die eine Frage sagt nichts über die andere aus.

Ein Beispiel macht den Unterschied greifbar: Ein Hoodie aus konventioneller Baumwolle kann OEKO-TEX-zertifiziert sein, wenn er die Schadstoffprüfung besteht; über den Anbau der Baumwolle sagt das nichts. Umgekehrt kann ein Hoodie aus GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle stammen, ohne dass eine OEKO-TEX-Prüfung vorliegt. Wer wissen will, was ein Teil mitbringt, liest deshalb nicht nur das Siegel, sondern auch die Nummer daneben: Sie gehört zum Zertifikat und lässt sich beim jeweiligen Prüfinstitut nachschlagen.

Was OEKO-TEX Standard 100 prüft

Ein unabhängiges Prüfinstitut testet Proben eines fertigen Textils – Stoff, Nähgarn, Knöpfe, Aufdrucke, alles, was am Teil verbaut ist – auf ein festgelegtes Set an Substanzen, die im Hautkontakt relevant sind. Die Prüfung setzt beim Endprodukt an, nicht bei der Herkunft der Faser.

Das heißt auch: Ein Textil aus konventioneller Baumwolle oder aus Polyester kann OEKO-TEX-zertifiziert sein, solange es die Schadstoffprüfung besteht. Über den Anbau der Faser, Wasserverbrauch oder Arbeitsbedingungen in der Produktion sagt das Siegel nichts aus. Details dazu stehen im Eintrag OEKO-TEX Standard 100.

Geprüft wird dabei nicht jedes Textil gleich streng: Produkte mit engem, dauerhaftem Hautkontakt – etwa Babykleidung – laufen durch strengere Prüfklassen als Ware ohne direkten Hautkontakt, etwa Dekostoffe. Für Alltagskleidung wie Shirts oder Hoodies gilt in der Regel die Klasse für Kleidung mit Hautkontakt.

Was GOTS prüft

GOTS setzt bereits bei der Faser an: Ein zertifiziertes Textil muss zu einem festgelegten Mindestanteil aus Fasern bestehen, die aus kontrolliert biologischem Anbau stammen – meist Baumwolle. Von dort verfolgt das Siegel die gesamte Kette: erlaubte und verbotene Chemikalien in Färberei und Ausrüstung, dokumentierte Herkunft bei jedem Verarbeitungsschritt, dazu soziale Mindestkriterien wie Arbeitsschutz und ein Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit in den beteiligten Betrieben.

Zertifiziert wird dabei der Betrieb, der den Stoff oder das fertige Textil herstellt, nicht die Marke, die es am Ende verkauft. Mehr dazu im Eintrag GOTS und im Eintrag Bio-Baumwolle, der den Unterschied zwischen Bio-Anbau und GOTS-Zertifizierung erklärt.

Wichtig für die Einordnung: Bio-Baumwolle beschreibt nur den Anbau der Faser. Ob ein Textil daraus am Ende zusätzlich GOTS-zertifiziert ist, hängt von der weiteren Verarbeitung ab – vom Feld bis zur Näherei muss die ganze Kette die GOTS-Kriterien erfüllen, nicht nur der Rohstoff.

Kann ein Textil beide Siegel gleichzeitig tragen?

Ja. Weil OEKO-TEX Standard 100 am fertigen Produkt ansetzt und GOTS an der Faser und der Verarbeitungskette, schließen sich die beiden Siegel nicht aus. Ein GOTS-zertifiziertes Textil aus Bio-Baumwolle kann zusätzlich die OEKO-TEX-Schadstoffprüfung bestehen – beide Zertifikate beziehen sich dann auf denselben Artikel, beantworten aber weiterhin unterschiedliche Fragen. Ein Textil mit beiden Siegeln ist deshalb kein Widerspruch, sondern die Summe zweier getrennter Prüfungen.

Zwei Siegel auf einem Etikett bedeuten also nicht doppelte Sicherheit in derselben Sache, sondern zwei getrennte Zusagen: eine zur Schadstofffreiheit, eine zu Anbau und Produktionskette. Wer nur eines davon sieht, hat die andere Frage noch offen.

Wer prüft und vergibt die Siegel

OEKO-TEX Standard 100 kommt von der OEKO-TEX Association, einem Zusammenschluss unabhängiger Textilprüfinstitute. Diese Institute nehmen die Proben, testen sie im Labor und vergeben bei bestandener Prüfung das Zertifikat direkt an den Hersteller des Textils.

GOTS wird von einer internationalen Arbeitsgemeinschaft aus Umwelt- und Verbraucherorganisationen getragen und über akkreditierte, unabhängige Zertifizierungsstellen vor Ort vergeben. Diese prüfen die Betriebe entlang der Kette direkt vor Ort, nicht nur anhand eingesandter Proben – ein Unterschied, der zur unterschiedlichen Prüftiefe der beiden Siegel passt.

Welches Siegel zählt wann

Für Kleidung mit direktem, dauerhaftem Hautkontakt – Shirts, Unterwäsche, Baby- und Kinderkleidung – ist OEKO-TEX Standard 100 die naheliegendste Orientierung, weil es genau diese Frage beantwortet: Sind Schadstoffe im geprüften Rahmen ausgeschlossen? Das gilt unabhängig davon, aus welcher Faser das Teil besteht.

Wenn Bio-Anbau, Umweltstandards in Färberei und Ausrüstung und faire Produktionsbedingungen den Ausschlag geben sollen, ist GOTS das passende Siegel, weil es diese Kette vom Feld bis zur Konfektion prüft. Wer beides gleich wichtig findet, achtet auf beide Siegel am selben Artikel.

Beim Lesen des Etiketts hilft eine Unterscheidung: GOTS kennt zwei Kennzeichnungen, eine für Textilien fast vollständig aus Bio-Fasern und eine für Textilien mit einem niedrigeren Mindestanteil. Beide sind GOTS, sagen aber Unterschiedliches über den Faseranteil aus, und das steht im Wortlaut neben dem Siegel.

Daneben gibt es weitere Siegel mit eigenem Fokus, etwa Fairtrade Cotton für faire Erzeugerpreise beim Baumwollanbau. Sie ersetzen OEKO-TEX Standard 100 und GOTS nicht, sondern prüfen wieder eine andere Frage entlang der Kette.

OEKO-TEX Standard 100 und GOTS im Vergleich

Die Tabelle zeigt auf einen Blick, an welcher Stelle der Kette jedes Siegel ansetzt und was es damit abdeckt.

KriteriumOEKO-TEX Standard 100GOTS
Prüfgegenstandfertiges TextilFaseranteil und gesamte Produktionskette
FokusSchadstoffe, HautkontaktBio-Anbau, Ökologie, soziale Kriterien
Setzt an beiEndproduktRohstoff und Verarbeitung
Faserherkunft geprüftneinja
Soziale Kriterien geprüftneinja
Kombination möglichja, mit GOTSja, mit OEKO-TEX Standard 100

Was wir dazu machen

.stumpf selbst trägt kein Siegel: Zertifiziert werden die Betriebe, die Stoff und Textil herstellen. Unsere Partnerbetriebe arbeiten mit GOTS- und OEKO-TEX-zertifizierten Stoffen, und auf Wunsch steht Bio-Baumwolle bei T-Shirts bedrucken – Bio-Baumwolle zur Wahl. Wie wir zu Siegeln stehen, steht unter Nachhaltigkeit.

Häufige Fragen

Ist .stumpf GOTS- oder OEKO-TEX-zertifiziert?

Nein, nicht als Marke. Unsere Partnerbetriebe arbeiten mit GOTS- und OEKO-TEX-zertifizierten Stoffen; zertifiziert ist jeweils der Betrieb, der den Stoff herstellt und verarbeitet.

Ist ein GOTS-zertifiziertes Textil automatisch auch schadstoffgeprüft?

Nicht automatisch. GOTS prüft Faseranteil, Umwelt- und Sozialkriterien entlang der Kette, aber nicht dieselbe Schadstoffliste wie OEKO-TEX Standard 100. Beide Siegel können unabhängig voneinander vorliegen oder kombiniert werden.

Welches Siegel brauche ich für ein Bio-Baumwoll-Shirt?

Für den Nachweis von Bio-Anbau und fairer Verarbeitung ist GOTS das passende Siegel. Für den zusätzlichen Nachweis, dass das fertige Shirt schadstoffgeprüft ist, kommt OEKO-TEX Standard 100 dazu.

Prüft eines der beiden Siegel Arbeitsbedingungen in der Näherei?

Ja, GOTS. Es deckt soziale Mindeststandards wie Arbeitsschutz und ein Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit entlang der ganzen Kette ab. OEKO-TEX Standard 100 prüft ausschließlich Schadstoffe im fertigen Produkt, keine Sozialstandards.

Ist Polyester mit OEKO-TEX Standard 100 möglich?

Ja. Die Prüfung setzt am fertigen Textil an, unabhängig von der Faserart. GOTS dagegen bezieht sich auf Naturfasern aus Bio-Anbau und deckt Polyester in der Regel nicht ab.